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Gesundheitsökonomische Analysen zur Abgrenzung von Innovation und Fortschritt

24.01.2013 16:20
Der Koalitionsvertrag 2013 erwähnt im Abschnitt „Gesundheit und Pflege“ (abgesehen vom neuen Innovationsfonds) nicht ein einziges Mal die Worte Innovation und Fortschritt, aber dafür wird diesem Aspekt im wirtschaftspolitischen Teil des Vertrages sehr breit Rechnung getragen. Kernpunkt ist dabei das Ziel, mindestens 3 % des Bruttoinlandproduktes zukünftig in Forschung und Entwicklung zu investieren. Um dies zu erreichen, wird im Vertrag sehr prominent auch das Gesundheitswesen erwähnt, für das die Bundesregierung beispielsweise plant, innovative Produkte und Prozesse im Bereich der individualisierte Medizin sowie in der Geschlechter- und Altersmedizin zu fördern. Allerdings stellt sich die Frage, welche Effekte solche Forschungsinitiativen auf die tatsächliche Versorgung im Gesundheitssystem haben, ob also die Translation in den Versorgungskontext gelingt und angemessene Verfahren und Beurteilungsmethoden zur Verfügung stehen, um darüber zu entscheiden, welche Innovationen tatsächlich einen medizinischen oder gesellschaftlichen Fortschritt darstellen und daher überhaupt den Weg in die allgemeine Versorgungspraxis finden sollten. Dies ist Gegenstand der Versorgungsforschung, bei der es aus gesundheitsökonomischer Sicht immer um die Abwägung zwischen dem festgestellten Nutzen einer Maßnahme und dem zu ihrem Einsatz erforderlichen Ressourceneinsatz geht. Die Nutzung dieser Erkenntnisse ist je nach Leistungssektor im Gesundheitswesen höchst unterschiedlich, was auf Nachholbedarf hindeutet, der im vorliegenden Beitrag thematisiert werden soll. Ausgangspunkt soll zunächst eine kurze Abgrenzung von Innovation und Fortschritt sein, um dann zu diskutieren, welchen Beitrag Kosten- und Nutzenanalysen bei dieser Unterscheidung leisten können.

http://doi.org/10.24945/MVF.02.14.1866-0533.1931

Abstract
Transparenz über Nutzen und Kosten trägt dazu bei, Innovationen, die nach objektiven Maßstäben einen Fortschritt bedeuten, zu identifizieren und so die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen sparsam und zweckmäßig einzusetzen. Eine Hauptherausforderung stellt dabei die Ungewissheit über die langfristigen Wirkungen einer Innovation dar, wie sich am Beispiel neuartiger Impfungen zeigen lässt. Deren Evaluation ist mit der Frühbewertung bei Markteinführung keineswegs abgeschlossen, sondern sollte mit Daten aus der Versorgungsforschung regelmäßig aktualisiert werden. Dies gilt insbesondere auch für Prozessinnovationen wie die besonderen Versorgungsformen, über die nur wenige und größtenteils methodisch ungeeignete Evaluationen vorliegen. Auch für den Bereich der Medizinprodukte mit hohem Risikopotential wären bei innovativen Produkten vor dem Marktzugang Kosten-Nutzen-Bewertungen sinnvoll, um Schaden von den Patienten, aber auch überflüssige finanzielle Belastungen der Kostenträger zu vermeiden. Allerdings sind entsprechende Informationen nicht kostenlos. Sowohl die Nutzenüberprüfung bei Marktzugang als auch die notwenigen Versorgungsstudie im Zeitablauf der Marktdurchdringung der Innovation sind zeit- und kostenaufwändig. Zudem muss die verwendete Methodik immer wieder auf wissenschaftliche Aktualität überprüft werden.

Health economic analysis to differentiate between innovation and progress
Transparency on benefits and cost helps to identify innovations that mean real progress in accordance with objective standards, and so helps to use scarce health care resources more economically and appropriately. A major challenge here is the uncertainty about the long-term effects of an innovation, as can be shown by the example of new vaccinations. Their evaluation is by no means finished after the early assessment at market access, but should be updated regularly with data from Health Services Research. This is true in particular also for process innovations, such as new forms of integrated care; there exist only a few and mostly methodologically inadequate evaluations for assessing these. Cost-benefit analysis would be also useful for medical devices with high risk potential to prevent patients from harm and to avoid unnecessary financial burden on health insurances. However, this information is not free. Both, the early benefit assessment and the necessary data collection and evaluation during market penetration are time-consuming and costly. In addition the methodology used must be updated from time to time in accordance with developing scientific standards.

Keywords
Innovation, progress, cost-benefit analysis, vaccinations, Integrated Care

Prof. Dr. Wolfgang Greiner

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Zitationshinweis (Greiner, W.: „Gesundheitsökonomische Analysen zur Abgrenzung von Innovation und Fortschritt“; in: "Monitor Versorgungsforschung" (MVF) 02/14, S.41-44); doi: 10.24945/MVF.02.14.1866-0533.1931

 

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