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„Wir wissen zurzeit einfach noch nicht genug“

31.03.2015 14:00
„Qualität ist bereits ein ökonomischer Faktor und Qualität ist meines Erachtens unbedingt auch profitabel.“ Mit diesen Worten positioniert sich die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V., Hedwig François-Kettner, eindeutig pro qualitätsorientierte Bedarfsplanung für Krankenhäuser. Sie schränkt das aber gleich wieder ein, denn ihrer Meinung nach „sind wir heute noch nicht so weit, dass wir eine qualitätsorientierte Honorierung gesamtgesellschaftlich für das System in Angriff“ nehmen könnten. Sie weiß als langjährige Pflegedirektorin der Berliner Charité mit Verantwortung für 4.100 Pflegekräfte sehr genau, wovon sie im Interview in „Monitor Versorgungsforrschung“ spricht.

http://doi.org/10.24945/MVF.05.15.1866-0533.1919

>> Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat vorgeschlagen, die bestehenden Qualitätsindikatoren zu nutzen, um eine gemeinsame Bedarfsplanung für Krankenhäuser und Ärzte zu schaffen und sogar die Honorierung danach zu steuern. Ist es im Sinne des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, wenn Qualität zum ökonomischen Faktor wird?
Qualität ist bereits ein ökonomischer Faktor und Qualität ist meines Erachtens unbedingt auch profitabel. Nur werden gelegentlich qualitative Verbesserungen unterlassen mit Hinweis auf Kostensteigerungen. Der Ansatz kann positive Impulse geben. Leider sind wir heute noch nicht so weit, dass wir eine qualitätsorientierte Honorierung gesamtgesellschaftlich für das System in Angriff nehmen könnten. Um so etwas zu machen, braucht es meines Erachtens eine Gesamtschau und es bedarf eines Rahmenkonzeptes. eine Bestandsaufnahme des deutschen Gesundheitswesens samt seiner regionalen Unterschiede und der entsprechenden Bedarfe. Insofern unterstütze ich die Planungsvorstellungen des Bundesgesundheitsministers Gröhe. „Die Qual mit der Qualität“ und wie gut eine Klinik wirklich ist, aber auch, wie schwer es ist gängige Qualitätskriterien zu einer objektiven Ergebnisbeurteilung anzulegen wird längst auch in der Öffentlichkeit diskutiert und im Juli sehr anschaulich von Werner Bartens in der „Süddeutschen Zeitung“ beschrieben.

Die Übersicht über die regionalen Qualitätsunterschiede und die Analyse ihrer Ursachen finden Sie fast wichtiger als Bedarfsplanung und Honorierung?
Nicht wichtiger – nur sollte man nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen. Eine Angebots- und Bedarfsanalyse sollte vorgeschaltet sein. Die regionalen Bedarfsanalysen dürfen dabei vor allem nicht an Landesgrenzen aufhören, d. h. auch eine Krankenhausplanung muss letztlich aus der Vogelperspektive über Ländergrenzen hinweg geschehen. Für eine qualitätsorientierte Honorierung ist es meines Erachtens noch zu früh, ich bin auch nicht wirklich sicher, ob sie in jedem Fall sinnvoll ist.

Zu früh? Wie lange soll man denn warten?
Wir wissen zurzeit einfach noch nicht genug. Denken wir doch einmal an die Landstriche in Deutschland, in denen jetzt die Bevölkerung schrumpft. Es ist doch eigentlich selbstverständlich, dass man dort nicht alle Angebote direkt vor Ort vorhalten kann und eigentlich auch nicht muss, wenn man es schafft, dafür andere versorgungssichernde Strukturen herzustellen. Genau das haben wir aber noch nicht getan.
Das liegt auch und vielleicht vor allem daran, dass wir noch keine einsatzfähige elektronische Gesundheitskarte haben, die Patientenbedürfnisse strukturbasiert abbilden könnte, weil sich durch und mit ihr die tatsächlichen – und nicht von gestern auf morgen prognostizierte – Bedarfe abzeichnen würden.

Was sicher auch noch fehlt, wäre ein sinnvoller Pay-for-Performance-Ansatz, der auch „Non Pay for Non Performance“ bedeuten würde. Ist denn unser System für ein solches Umdenken in tatsächlich für den Patienten erbrachten Leistungen überhaupt bereit?
Es gibt doch heute bereits Abschläge. Pay for Performance wäre eigentlich nur eine Verdichtung dieses real existenten Malus-Systems. Doch auch hier ist davor zu warnen, dass unsere derzeitige Struktur einige dicke Probleme mit sich bringt, die die zu erwartenden Vorteile mehr als aufwiegen könnten.

Ein Beispiel?
Denken wir an die Pflege, in der bereits heute beispielsweise ein Abschlag existiert, wenn ein ...  <<

 

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doi: 10.24945/MVF.05.15.1866-0533.1919

Ausgabe 05 / 2015

Editorial

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Prof. Dr.
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