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„Mein Interesse gilt der Langstrecke“

24.07.2017 14:00
Der Fachbereich Health Services Management wurde 2013 an der Ludwig-Maximilians Universität München (LMU) gegründet. Derzeit arbeiten am Fachbereich Health Services Management neben der Leiterin, Prof. Dr. Leonie Sundmacher, sieben Wissenschaftliche MitarbeiterInnen, eine Teamassistenz und studentische Mitarbeiter. Die empirisch orientierte Forschung am Fachbereich Health Services Management (HSM) befasst sich mit Fragen und Methoden an der Schnittstelle von Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung. Die Forschung des Fachbereichs HSM ist stets angewandt und findet zu einem großen Teil in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen statt. Zudem ist der Fachbereich im Münchner Zentrum für Gesundheitswissenschaften angesiedelt und damit Bestandteil eines interdisziplinären, fakultätsübergreifenden Forschungsschwerpunkts der LMU.

>> Im Gegensatz zu den meisten der bisher in der Serie „Versorgungsforschung made in ...“ vorstellten Versorgungsforschungs-Institute handelt es sich beim Fachbereich Health Services Management der Münchner LMU um einen etwas anderen Ansatz: Er ist nicht an einer medizinischen Falkutät oder in dessen engstem Umfeld angesiedelt, sondern an der Fakultät für Betriebswirtschaft. Das hat durchaus seine Vorteile, weil diese Freiheit von der Anbindung an Akteure des Gesundheitsystems einen etwas anderen, unbeeinflussteren Blick auf die Realität der Versorgung gestattet. Und für ein hohes Maß an offenem Blick dafür sorgt, wie Menschen versorgt werden, wo der größte Versorgungsbedarf besteht und wie knappe Ressourcen bestmöglich genutzt werden können.
All das sind zentrale Fragestellungen, deren Bearbeitung erheblich zur Verbesserung unseres Gesundheitssystems beitragen und denen sich der Fachbereich Health Services Management in Forschung und Lehre widmet.
Und das mit Erfolg: So wurde der Fachbereich HSM mit der Erstellung eines wissenschaftlichen Gutachtens zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung i.S.d. §§ 99 ff. SGB V durch den G-BA beauftragt. Konsortialpartner sind das Institut für Community Medicine an der Universitätsmedizin Greifswald, das GeoHealth Centre an der Universität Bonn, Wig2 aus Leipzig, das MPI für Sozialrecht und Sozialpolitik in München sowie 37 Grad Analyse und Beratung in Köln.
Der Fachbereich ist in das Münchner Zentrum für Gesundheitswissenschaften (MC-Health) eingebunden, das Bestandteil eines interdisziplinären, fakultätsübergreifenden Forschungsschwerpunkts der LMU ist. Hier sind einschließlich des Klinikums eine Reihe von Instituten und Professuren vernetzt, die auf Gesundheitsforschung ausgerichtet sind. Darüber hinaus werden Institute des Helmholtz Zentrums München in den Bereichen Epidemiologie und Gesundheitsökonomie einbezogen. Damit wird eine durchaus einzigartige interdisziplinäre Expertise zusammengebracht und substanzielle Kompetenz im Bereich der quantitativen Gesundheitswissenschaften gebildet.
Hierzu zählt jedoch ebenso das neue Münchner Netzwerk Versorgungsforschung (MobilE-Net), in dem Leonie Sundmacher ebenfalls engagiert ist. Dies ist ein Projekt, das von der LMU München, dem Helmholtz Zentrum München und der Hochschule Rosenheim initiiert wurde und vom BMBF gefördert wird. Gemeinsam mit 16 Partnern aus der Praxis der medizinischen Versorgung, Krankenversicherungen, Forschungseinrichtungen und Behörden soll die Versorgung von Patienten mit chronischen Krankheiten sowie deren Mobilität und soziale Teilhabe verbessert werden.
Bei all dem konnte sich Leonie Sundmacher nahezu perfekt einbringen. Bereits an der University of York hatte sie Health Economics studiert und war dort begeistert von der empirisch-orientierten und angewandten Forschung an der Schnittstelle von Gesundheitsökonomie und Health Services Research sowie der dort vorherrschenden konstruktiven, akademischen Diskussionskultur. Das Interesse für interdisziplinäres, angewandtes Arbeiten konnte sie innerhalb ihrer Promotion an der Technischen Universität Berlin vertiefen und obendrein im Jahr 2012 an der TU Berlin die Juniorprofessur für Versorgungsforschung und Qualitätsmanagement im ambulanten Sektor annehmen. Das war damals – was noch gar nicht solange her ist, aber deutlich macht, wie jung diese durchstartende Wisenschaftsrichtung eigentlich immer noch ist – einer der ersten Professuren in Deutschland, die den Namen Versorgungsforschung im Titel führte.
Schon diese Professur bot ihr fast einmalige Möglichkeiten, empirisch angewandt zu Themen der ambulanten Versorgung zu forschen und sich letztlich an der Schnittstelle von Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung zu verankern. Was sich dann auch in ihrem Forschungsschwerpunkt – dem Management im Gesundheitswesen, insbesondere intersektorales Qualitätsmanagement und regionale Versorgungsforschung – niederschlug, den sie mit ihrem Ruf nach München weiter ausbauen konnte.
Dabei kam dieser Ruf an die LMU recht schnell und unerwartet und fiel ausgerechnet auch noch in eine ebenso arbeitsame wie produktive Phase an der Technischen Universität Berlin. Daher fiel es ihr nicht ganz leicht, sich von Berlin zu trennen, aber war natürlich auch ein nahezu folgerichtiger Schritt: Ermöglichte die Professur in München doch abermals die fast synergetische Verbindung von Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung und das auch noch – ähnlich wie an der University of York – in einer lebhaften, akademischen Gemeinschaft.
In den knapp vier Jahren, seitdem Leonie Sundmacher in München arbeitet, ist ihr Fachbereich deutlich gewachsen. Ihr Team und auch sie haben es dabei geschafft, eine gut strukturierte Mannschaft (siehe Bild) zusammen zu stellen, die motiviert und professionell an den diversen Themenschwerpunkten arbeitet. Auch dank erfolgreich eingeworbener Drittmittelprojekte, die durch das BMBF, aber auch durch den Innovationsfonds – wie beim institutionen-übergreifenden Versorgungsforschungsprojekt „Accountable Care in Deutschland (ACD) – gefördert werden, ist der ehemals recht überschaubare Fachbereich inzwischen auf sieben Wissenschaftliche MitarbeiterInnen und eine Team-assistenz gewachsen und kann so relevante Fragestellungen mit innovativen Methoden in interdisziplinären Projektteams erarbeiten.  
Das Studien-Projekt ACD ist übrigens mit einer Gesamt-Fördersumme von knapp vier Millionen Euro (angelegt auf drei Jahre) das derzeit größte Projekt der HSM, und zudem jenes, das in der Lage ist, das Portfolio des Fachbereichs, das von Qualitätsmanagement über die regionale  Versorgungsforschung bis hin zur gesundheitsökonomischen Evaluation von Versorgungsmodellen, insbesondere in der ambulanten Versorgung und an der Schnittstelle der ambulanten zur stationären Versorgung reicht, zu verdeutlichen, und ein Stück weit auch zu definieren. Ziel des Projektes ist es, die Abstimmung zwischen den an der Behandlung beteiligten Arztpraxen und Krankenhäusern zu verbessern und damit die Anzahl von potenziell vermeidbaren Krankenhausaufenthalten zu reduzieren. Kon-
sortialpartner sind die Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, die Medizinische Hochschule Hannover, die KVen Hamburg, Nordrhein, Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe, das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi), das Wissenschaftliche Institut der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) sowie die Krankenkassen AOK Rheinland/Hamburg und AOK Nordwest.
Dazu Leonie Sundmacher: „Ein klares Ziel von mir ist es, diese Schwerpunkte systematisch auszubauen, relevante Fragestellungen langfristig und strukturiert zu verfolgen und differenzierte Impulse für die Versorgung zu liefern.“ Denn, so Leonie Sundmacher weiter: „Schnelle Lösungen sind praktisch, aber selten. Mein Interesse gilt der Langstrecke.“ <<
von:
MVF-Chefredakteur Peter Stegmaier

Ausgabe 05 / 2017

Editorial

RoskiHerausgeber
Prof. Dr.
Reinhold
Roski

 

 

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