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HNO-Experten fordern Strukturreformen für ambulante Operationen

24.10.2022 10:34
Bei der 55. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte diskutieren Vertreter des HNO-Fachgebiets über die Zukunft des Operierens in Deutschland. „Es wird in der HNO-Heilkunde mehr ambulant operiert werden können, wenn die wesentlichen Rahmenbedingungen erfüllt sind“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO-KHC), Prof. Dr. Orlando Guntinas-Lichius, im Vorfeld der Veranstaltung. Es komme auf den Willen des Gesetzgebers an, die notwendigen Strukturen zu schaffen, unterstreicht auch Dr. Andree Schwerdtner. Außerdem müsse die vertragsärztliche Versorgung für die politisch gewollte Ambulantisierung gestärkt werden, ergänzt der Landesvorsitzende des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. (BVHNO).

Die 55. Fortbildungsveranstaltung für HNO-Ärzte, die in diesem Jahr unter dem Titel „Intersektorale und interdisziplinäre HNO-Medizin“ steht, befasst sich in verschiedenen Formaten schwerpunktmäßig mit der sektorenübergreifenden HNO-ärztlichen Versorgung. Dabei werden zum einen neue Kooperationsmodelle bei bestimmten Behandlungen, so zum Beispiel der Tumornachsorge, vorgestellt. Zum anderen geht es um die Frage, wie typische HNO-Eingriffe, wie beispielsweise Nasenoperationen, ambulant durchgeführt werden können. Als Triebfeder der Ambulantisierung in der Medizin gelten der medizinisch-technische Fortschritt und die von der Politik erwarteten Einsparpotenziale der Entwicklung. Im aktuellen Koalitionsvertrag haben die Ampelparteien vereinbart, die Ambulantisierung bislang unnötig erbrachter Leistungen zu fördern.

Bis eine derzeit noch stationär erbrachte Operation regelhaft ambulant erfolgen könne, müssen eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein, erklärt DGHNO-Präsident Guntinas-Lichius. Gefragt sei insbesondere der medizinische Sachverstand der Fachdisziplinen. Guntinas-Lichius: „Wir brauchen als Erstes die wissenschaftliche Festlegung der Tatbestände für eine Erweiterung des ambulanten Operationsspektrums.“ Darüber hinaus gehe es um strukturelle Voraussetzungen zur Qualitätssicherung, um die Sicherstellung eines Komplikations- und Notfallmanagements sowie um die Ausgestaltung der Weiterbildung unter den geänderten Bedingungen. Über allen Erwägungen stehe außerdem die Anforderung einer auskömmlichen Finanzierung, so der Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Jena.

In der HNO-Heilkunde gebe es ein großes Potenzial an ambulanten Operateuren, hebt Andree Schwerdtner hervor. „Die HNO ist die Fachgruppe mit den meisten Belegärztinnen und -ärzten. Leider wird dieses einst sehr erfolgreiche Kooperationsmodell heute zunehmend behindert, sodass die Anzahl der Belegärzte in den letzten zehn Jahren um mehr als ein Viertel zurückgegangen ist.“ Er begrüße daher die Pläne der Ampelregierung, neue sektorenübergreifende Modelle einführen zu wollen. „Wir brauchen die rechtlichen Grundlagen und eine ordentliche Finanzierung. Dann sind sektorenübergreifende ambulante Operationen in Zukunft möglich“, ist sich der HNO-Arzt aus dem sächsischen Eilenburg sicher.

Inwieweit intersektorale Leistungen bei der Ambulantisierung der HNO-Heilkunde eine Rolle spielen, könne getrennt von strukturellen Erwägungen diskutiert werden, sagt HNO-Professor Guntinas-Lichius. „Zunächst einmal benötigen wir einen Konsens über den Begriff. Aus meiner Sicht ist dies eine HNO-Leistung aus einer Hand, egal ob ambulant oder stationär, wenn die Voraussetzungen für die ambulante und stationäre Leistungserbringung erfüllt sind.“ Hierbei könne es Leistungen geben, die grundsätzlich ambulant erbracht werden, bei denen aber zum Beispiel ein stationärer Aufenthalt wegen komplexer, interdisziplinärer Diagnostik oder einem erhöhten Komplikationsrisiko nötig werde. Zu definieren sei außerdem der Begriff der „klinisch-ambulanten Erbringung“, der derzeit diskutiert werde. Eine intersektorale Leistungserbringung sollte darüber hinaus mit Pilotprojekten zunächst wissenschaftlich untersucht werden, so Guntinas-Lichius.

Die Weiterentwicklung des ambulanten Operierens dürfe nicht in die Etablierung eines neuen Sektors mit neuen Versorgungshürden münden, betont Andree Schwerdtner. „Im Zeitalter des Fachkräftemangels wäre es der absolut falsche Weg, Reformen nur für die Leistungserbringer eines Versorgungsbereichs einzuführen. Wir brauchen stattdessen neue Arbeitsmodelle jenseits des tradierten Sektorendenkens.“ Dies decke sich auch mit den Vorstellungen der nachrückenden Ärztegeneration. Die ersten Ergebnisse der Regierungskommission zur Krankenhausreform seien unter dem Blickwinkel nicht zufriedenstellend, so Schwerdtner weiter. „Wenn die Politik der Ambulantisierung nachhaltig auf die Beine helfen will, reicht es nicht aus, die Möglichkeiten der Krankenhäuser zu erweitern. Es muss vielmehr die gleichen Zugangsvoraussetzungen für qualifizierte Operateure aus beiden Sektoren geben.“

Editorial

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